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Spritpreise in der Krise: Wer kassiert am meisten?

Neue AfD‑Spritpreis‑Offensive: Anlass für einen Blick auf Zahlen, Steuern, Fakten

Die AfD hat mit ihrer aktuellen Kampagne zu den Spritpreisen einen Nerv getroffen[1].Während der Iran-Konflikt die internationalen Rohölpreise nach oben treibt, steigen auch an deutschen Tankstellen die Kosten für Benzin und Diesel deutlich[2].In ihren Materialien verweist die Oppositionspartei auf niedrigere Preise in Nachbarländern wie Luxemburg und macht die Energie- und Steuerpolitik der Bundesregierung als zentralen Preistreiber aus[1].

Begründung

[1] AfD Kampagnenseite → belegt die Kampagne

[2] ADAC Preisentwicklung → belegt steigende Spritpreise

Tatsächlich liegen die Literpreise in Luxemburg aktuell teils rund 40 bis 50 Cent unter dem deutschen Niveau[3][4] – das belegen offizielle Preisangaben der Europäischen Kommission sowie unabhängige Übersichten von Verbraucherorganisationen. Dieses Dossier nimmt die AfD-Kampagne deshalb als Ausgangspunkt, um die Preisunterschiede mit seriösen Quellen nachzuvollziehen: Welche Rolle spielen weltweite Krisen, welche der deutsche Steuer- und Abgabenblock – und wer verdient am meisten, wenn der Sprit für die Bürger zum Luxus wird?

Begründung

[ 3 ]   ADAC Europa-Preisvergleich

 [ 4 ]    EU Oil Bulletin

Tatsächlich liegen die Literpreise in Luxemburg aktuell teils rund 40 bis 50 Cent unter dem deutschen Niveau[3] [4] – das belegen offizielle Preisangaben der Europäischen Kommission sowie unabhängige Übersichten von Verbraucherorganisationen. Diese Unterschiede lassen sich nicht allein durch internationale Rohölpreise erklären. Ein zentraler Faktor ist vielmehr die unterschiedliche steuerliche Belastung von Kraftstoffen.

In Deutschland setzt sich der Preis an der Zapfsäule aus mehreren staatlichen Abgaben zusammen, darunter Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer[5]. Allein die Energiesteuer auf Benzin beträgt derzeit rund 65 Cent pro Liter, hinzu kommt die Mehrwertsteuer, die auch auf die zuvor erhobenen Abgaben berechnet wird[6].

Das bedeutet: Ein erheblicher Teil des Endpreises entsteht nicht auf dem Weltmarkt für Rohöl, sondern durch nationale steuer- und energiepolitische Entscheidungen. Offizielle Analysen zur Preisstruktur zeigen, dass staatliche Abgaben häufig mehr als die Hälfte des Benzinpreises ausmachen können[5] [7]. Genau hier setzt die politische Debatte an: Während internationale Krisen die Rohstoffpreise beeinflussen, entscheidet letztlich die Steuer- und Abgabenpolitik darüber, wie stark diese Entwicklung an der Zapfsäule für Verbraucher spürbar wird.

Wie die Altparteien auf explodierende Spritpreise reagieren

Während die Spritpreise neue Höchststände erreichen und viele Menschen längst nicht mehr wissen, wie sie Tankfüllung, Heizung und Lebenshaltung gleichzeitig bezahlen sollen [2], geben sich die etablierten Parteien betont gelassen. Statt an den eigentlichen Kostentreibern zu rütteln – Energie- und Verbrauchssteuern, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer [5] [6] – verweisen sie auf Prüfaufträge, Arbeitsgruppen und Entlastungspakete, deren Wirkung für viele Verbraucher im Alltag kaum spürbar bleibt. Offiziell ist häufig von „Krisenmanagement“ und „zielgenauer Unterstützung“ die Rede, doch an der Zapfsäule kommt davon bei den meisten Bürgern wenig an.

In den vergangenen Jahren wurde diese Linie immer wieder sichtbar: Wenn Preise explodieren, lässt die Regierung die Steuereinnahmen zunächst weiterlaufen und diskutiert anschließend kleinere Rückverteilungsprogramme – statt den staatlichen Anteil am Literpreis ernsthaft auf den Prüfstand zu stellen. Für die Menschen, die jeden Tag zur Arbeit fahren müssen, macht es jedoch keinen Unterschied, ob ihr Geld an der Kasse für Rohöl, für CO₂-Zertifikate oder für staatliche Abgaben verschwindet [5] [6]. Entscheidend ist, dass am Monatsende immer weniger übrig bleibt, obwohl viele längst am Limit sparen.

Genau hier zeigt sich der Unterschied im Blickwinkel: Die Regierung spricht über „Finanzierungsspielräume“, „Haushaltsdisziplin“ und „Klimaziele“, während ein wachsender Teil der Bevölkerung schlicht darum kämpft, den Alltag zu stemmen. Eine verantwortliche Politik müsste zuerst dafür sorgen, dass Menschen mit normalen Einkommen Mobilität, Heizen und Grundversorgung überhaupt noch bezahlen können – und danach über alle weiteren Projekte reden. Wer stattdessen auf steigende Einnahmen aus Krisenpreisen setzt und diese mit wohlklingenden Paketen bemäntelt, verliert den Kernauftrag aus den Augen: den Schutz der eigenen Bürger vor Überlastung.

 

Die drei Grafiken zeigen bereits ein zentrales Problem: Der Preis an der Zapfsäule folgt nicht allein dem internationalen Rohölmarkt. Ein erheblicher Teil entsteht durch staatliche Abgaben. Neben der Energiesteuer spielt inzwischen auch der CO₂-Preis eine Rolle. Entscheidend ist jedoch, dass auf den gesamten Verkaufspreis zusätzlich Mehrwertsteuer erhoben wird – also auch auf Beträge, die bereits staatliche Abgaben enthalten.

 

Entscheidend ist dabei die Reihenfolge der Preisbestandteile: Zunächst werden Energiesteuer und CO₂-Preis aufgeschlagen. Erst anschließend wird auf den gesamten Verkaufspreis die Mehrwertsteuer berechnet. Dadurch enthält der Endpreis mehrere steuerliche Komponenten, die zusammen einen erheblichen Anteil des Literpreises ausmachen.

Opposition und Regierung: Zwei unterschiedliche politische Bewertungen desselben Literpreises

Die Aufschlüsselung des Benzinpreises zeigt schwarz auf weiß, wie groß der staatliche Anteil an jedem Liter ist – von der Energiesteuer über den CO₂-Preis bis zur Mehrwertsteuer auf den gesamten Betrag. Wer sich diese Grafik in Ruhe ansieht, erkennt schnell: Ein erheblicher Teil der Belastung ist keine Naturgewalt und auch nicht allein Folge internationaler Krisen, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen über Steuersätze und Abgaben.

Genau hier trennt sich der Blick der Opposition von dem der etablierten Parteien. Während die AfD den Steuerblock offen thematisiert und eine deutliche Senkung von CO₂-Abgabe, Energiesteuer und Mehrwertsteuer fordert, verweisen Regierung und andere Parteien häufiger auf Entlastungspakete, Härtefallhilfen oder zeitlich begrenzte Zuschüsse. Statt den Preis an der Zapfsäule direkt zu senken, wird ein Teil der zuvor eingenommenen Mittel nach politischen Programmen wieder verteilt – oft kompliziert, zeitverzögert und für viele Bürger kaum spürbar.

Für den normalen Bürger macht das jedoch keinen Unterschied: Er muss den vollen Preis jedes Mal bezahlen, wenn er tankt oder heizt. Ob man das Ergebnis „Klimaschutz“, „Haushaltskonsolidierung“ oder „Krisenbewältigung“ nennt, ändert nichts daran, dass der Staat an jedem Liter kräftig mitverdient. Wer die Grafik neben die offiziellen politischen Aussagen legt, kann sich selbst ein Bild davon machen, welche politischen Konzepte seine Interessen konsequenter vertreten.

Kritiker sehen darin ein wiederkehrendes Muster: Immer dann, wenn internationale Krisen oder geopolitische Spannungen die Energiepreise steigen lassen, wächst auch der staatliche Anteil am Literpreis automatisch mit. Während der Marktpreis schwankt, profitieren staatliche Einnahmen von höheren Steuern und der darauf erhobenen Mehrwertsteuer.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung vieler Verbraucher, dass Preise nach dem Ende solcher Krisen nur selten wieder auf das frühere Niveau zurückfallen. Was als vorübergehende Belastung beginnt, wird oft zum neuen Normalzustand. Für Haushalte bedeutet das, dass steigende Energie- und Transportkosten dauerhaft im Alltag ankommen – und sich über höhere Preise für Lebensmittel, Dienstleistungen und viele andere Bereiche des täglichen Lebens weiter ausbreiten.

In der politischen Debatte geht es deshalb nicht nur um einzelne Krisen, sondern um die grundsätzliche Frage, wie stark der Staat über Steuern und Abgaben an den Energiepreisen beteiligt sein sollte – und welche Folgen das langfristig für Kaufkraft, Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Stabilität der Bürger hat.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch der Ölpreis am Weltmarkt ist, sondern wie groß der politische Anteil am Literpreis sein soll – und wie stark der Staat über Steuern und Abgaben an den steigenden Energiepreisen beteiligt bleibt.

Seit der Pandemie – Wie sich der staatliche Anteil am Literpreis verändert hat

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass der Benzinpreis nicht nur durch den internationalen Ölmarkt beeinflusst wird, sondern zunehmend auch durch politische Entscheidungen über Steuern und Abgaben. Während die Energiesteuer in Deutschland bereits seit vielen Jahren festgelegt ist, ist mit dem nationalen CO₂-Preis seit 2021 eine zusätzliche staatliche Komponente hinzugekommen, die den Literpreis schrittweise erhöht.[8]

Der Einstiegspreis für CO₂ lag im Jahr 2021 zunächst bei 25 Euro pro Tonne, wurde 2022 auf 30 Euro pro Tonne angehoben und liegt seit 2024 bei 45 Euro pro Tonne. Für 2025 ist eine weitere Erhöhung auf 55 Euro pro Tonne vorgesehen.[9] Für Kraftstoffe bedeutet das einen zusätzlichen Aufschlag von mehreren Cent pro Liter Benzin oder Diesel. Gleichzeitig erhöht sich mit jedem steigenden Endpreis auch der Anteil der Mehrwertsteuer, da sie prozentual auf den gesamten Verkaufspreis erhoben wird.

Das bedeutet: Selbst wenn der Rohölpreis zeitweise wieder sinkt, bleiben bestimmte Bestandteile des Literpreises strukturell bestehen oder wachsen weiter. Für Verbraucher entsteht dadurch häufig der Eindruck, dass sich Preissteigerungen schneller durchsetzen als spätere Entlastungen.

CO₂-Preis seit 2021: Mehr als verdoppelt – was das im Alltag bedeutet

Der nationale CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe wurde in Deutschland 2021 eingeführt. Seitdem ist der staatlich festgelegte Preis pro ausgestoßener Tonne CO₂ schrittweise erhöht worden. Während der Einstiegspreis im Jahr 2021 noch bei 25 Euro pro Tonne lag, liegt er inzwischen deutlich höher. Für 2025 ist ein Preis von 55 Euro pro Tonne vorgesehen. Damit hat sich der CO₂-Preis innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.

Für Verbraucher bleibt diese Entwicklung oft abstrakt, weil der Preis nicht direkt als eigene Position auf der Tankquittung erscheint. Tatsächlich wirkt sich der CO₂-Preis jedoch unmittelbar auf den Literpreis von Benzin und Diesel aus, da er von den Mineralölunternehmen auf den Kraftstoffpreis umgelegt wird.

Entwicklung des CO₂-Preises in Deutschland

 

 

Beispielrechnung für ein durchschnittliches Pendlerprofil (50 km Arbeitsweg pro Tag, etwa 220 Arbeitstage pro Jahr und ein Fahrzeugverbrauch von rund 7 Litern pro 100 km). Der tatsächliche CO₂-Aufschlag pro Liter kann je nach Marktpreis und Steueranteilen leicht variieren.

„Warum Benzinpreise nach Krisen selten wieder sinken“

Viele Verbraucher haben in den vergangenen Jahren eine ähnliche Erfahrung gemacht: Steigen Energiepreise aufgrund internationaler Krisen, reagieren Märkte und Politik oft sehr schnell. Sinkt der Druck später wieder, bleiben viele Preise jedoch auf einem höheren Niveau bestehen. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang häufig von sogenannten „Preisniveaueffekten“.

Ein wichtiger Grund dafür liegt in der Struktur der Energiepreise. Während der Rohölpreis an den internationalen Märkten stark schwanken kann, bleiben andere Bestandteile des Literpreises stabil oder steigen sogar weiter. Dazu gehören unter anderem staatliche Abgaben wie Energiesteuer, CO₂-Preis und die Mehrwertsteuer, die prozentual auf den gesamten Verkaufspreis erhoben wird.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Wenn Unternehmen ihre Preise einmal an ein höheres Kostenumfeld angepasst haben, werden diese Anpassungen selten vollständig zurückgenommen. Stattdessen stabilisiert sich ein neues Preisniveau, das für Verbraucher langfristig spürbar bleibt.

Für viele Haushalte entsteht dadurch der Eindruck, dass Krisen zwar vorübergehend sein können, die finanziellen Folgen im Alltag jedoch deutlich länger wirken.

Deutschland im Vergleich: Warum Sprit in Nachbarländern oft günstiger ist

Ein Blick über die deutschen Grenzen zeigt, dass die Entwicklung der Kraftstoffpreise nicht überall gleich verläuft. Obwohl alle europäischen Länder denselben internationalen Rohölmarkt nutzen, unterscheiden sich die Preise an der Zapfsäule teilweise deutlich.

Besonders auffällig ist der Vergleich mit Nachbarländern wie Luxemburg, Polen oder Tschechien. Dort liegen die Benzinpreise häufig spürbar unter dem deutschen Niveau. Der wichtigste Grund dafür ist nicht der Rohölpreis selbst, sondern die unterschiedliche Steuer- und Abgabenpolitik der jeweiligen Staaten.

Während Deutschland einen vergleichsweise hohen Anteil an Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe erhebt, setzen andere Länder teilweise niedrigere Steuersätze oder verzichten auf zusätzliche Abgaben. Dadurch entsteht trotz ähnlicher Marktpreise ein deutlicher Unterschied im Endpreis für Verbraucher.

Für viele Autofahrer in Grenzregionen führt das dazu, dass Tankstellen im Ausland gezielt angesteuert werden. Der internationale Vergleich zeigt daher: Der Preis an der Zapfsäule ist nicht nur eine Frage globaler Märkte, sondern auch nationaler politischer Entscheidungen.

 

 

Der internationale Vergleich macht deutlich, dass die Höhe der Kraftstoffpreise nicht nur eine Frage des Weltmarktes ist. Deutschland und seine Nachbarländer kaufen Rohöl und Kraftstoffe weitgehend auf denselben internationalen Märkten ein – trotzdem zahlen deutsche Autofahrer an der Zapfsäule oft deutlich mehr. Der entscheidende Unterschied entsteht nicht an der Bohrinsel, sondern im Finanzministerium: durch Steuern, Abgaben und energiepolitische Vorgaben.

Während andere Staaten ihren Bürgern zumindest beim Tanken Luft lassen und die steuerliche Belastung bewusst begrenzen, schöpft der deutsche Staat jeden Krisenaufschlag voll mit ab. Aus dem Preis, den der Handel für die Ware Sprit bezahlt, wird an der Zapfsäule ein Gesamtpaket, in dem der politische Kostenblock die eigentliche Ware teilweise überragt. Wer die Preisniveaus in Deutschland und den Nachbarländern nebeneinanderlegt, sieht: Es sind nicht „die Märkte“, die uns ausplündern – es ist vor allem die politische Entscheidung, wie hoch der Staat seinen Anteil pro Liter ansetzt.

Damit stellt sich eine einfache, aber unbequeme Frage: Wie weit darf eine Regierung gehen, wenn sie ihre Bürger über den Tank beisteuert – und ab welchem Punkt wird aus Steuerpolitik eine systematische Überlastung derjenigen, die jeden Tag auf ihr Auto angewiesen sind? Solange Rohöl in denselben Ländern eingekauft wird, aber deutsche Pendler an der Kasse deutlich mehr abdrücken müssen als ihre Nachbarn, kann man das nicht mehr mit Sachzwängen erklären. Es ist eine bewusste politische Linie – und genau darüber muss offen gestritten werden.

Der Literpreis im Überblick: Markt, Steuern und politische Entscheidungen

Nach allen Zahlen, Grafiken und Vergleichen lässt sich der Benzinpreis im Kern auf drei Faktoren zurückführen. Erstens der internationale Rohölmarkt, dessen Preise durch Angebot, Nachfrage und geopolitische Konflikte schwanken. Zweitens die Kosten für Raffinerie, Transport und Vertrieb – also das, was nötig ist, um den Kraftstoff überhaupt bis zur Zapfsäule zu bringen. Drittens ein politisch festgelegter Aufschlag, bestehend aus Energiesteuer, CO₂‑Preis und Mehrwertsteuer – dieser Block ist keine Naturgegebenheit, sondern das Ergebnis konkreter Entscheidungen.

Genau dieser staatliche Aufschlag entscheidet darüber, ob Preisbewegungen am Weltmarkt die Menschen moderat treffen oder sie voll mit Wucht durchschlagen. Der Rohölpreis ist für Deutschland und seine Nachbarn im Prinzip derselbe, trotzdem liegen die Endpreise teils weit auseinander. Der Grund ist schlicht: Einige Staaten begrenzen ihren Zugriff auf jeden Liter, Deutschland schöpft ihn konsequent aus. Wie teuer Mobilität wird, ist damit weniger eine Frage von Tankern und Pipelines – sondern eine Frage davon, wie tief der Staat in jeden Liter hineingreift.

Der Blick auf die vergangenen Jahre macht das unübersehbar. Während die Politik von „Sachzwängen“ spricht, ist der Preis an der Zapfsäule immer auch Ausdruck einer stillen Grundentscheidung: Wie hoch darf der Finanzbedarf des Staates auf den Alltag der Bürger durchgereicht werden – und wie weit ist man bereit zu gehen, bevor normale Pendler, Familien und kleine Betriebe finanziell an die Wand gedrückt werden. Wer das versteht, sieht im Literpreis nicht mehr nur eine Zahl auf der Anzeige, sondern ein politisches Preisschild.

Chronik der Energiepolitik: Vier Jahrzehnte Entscheidungen, eine Preisrichtung

Seit fast vierzig Jahren schieben sich in Berlin im Wesentlichen dieselben Parteien die Regierungsposten zu – geändert hat sich vor allem eines: die Rechnung, die am Ende bei den Bürgern landet. Diese Chronik listet in groben Zügen auf, welche Kanzler und Koalitionen welche energie‑ und steuerpolitischen Weichen gestellt haben und welche Folgen das an der Zapfsäule hatte. Bewertungen sind eigentlich überflüssig: Wer die Liste liest, erkennt selbst, warum „weiter so“ an der Wahlurne immer wieder bei denselben Ergebnissen im Portemonnaie landet.cleanenergywire+1

A (very) brief timeline of Germany's Energiewende | Clean Energy Wire

Überblick über zentrale Beschlüsse seit 1990
(vereinfacht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit; dient als Einstieg für eigene Recherchen und Detailquellen)

1990–1998 – Kanzler Helmut Kohl (CDU), Koalition CDU/CSU‑FDP
Vorbereitung ökologischer Steuerreformen und energierechtlicher Weichenstellungen, erste Debatten über eine stärkere Belastung von Energie‑ und Kraftstoffverbrauch, ohne die Bürger an anderer Stelle dauerhaft spürbar zu entlasten.bpb+1

Energiepolitik | bpb.de

1998–2005 – Kanzler Gerhard Schröder (SPD), Koalition SPD/Grüne
Einführung der sogenannten Ökosteuer auf Kraftstoffe und Strom; der Spritpreis enthält seitdem einen expliziten Umwelt‑Aufschlag, der schrittweise erhöht wird.bpb-us-e1.wpmucdn
2000 beschließt Rot‑Grün das Erneuerbare‑Energien‑Gesetz (EEG) als Herzstück der Energiewende – mit festen Einspeisevergütungen, deren Kosten über die Stromrechnungen der Verbraucher finanziert werden.bgbl+3

Achilles-2013.pdf

2005–2009 – Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Große Koalition CDU/CSU‑SPD
Fortsetzung und Verstetigung der bestehenden Energiesteuern und EEG‑Strukturen.auswaertiges-amt+1
Zum 1. Januar 2007 erhöht die Große Koalition die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent – die größte Steuererhöhung seit 1949, die automatisch auch alle Energie‑ und Kraftstoffpreise verteuert.mittelstandswiki+2

the-german-energiewende-data.pdf

2009–2013 – Angela Merkel (CDU), Koalition CDU/CSU‑FDP
Erst Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke, dann nach Fukushima der politisch beschleunigte Atomausstieg.spiegel+1
Die Kosten für Netzausbau, Reservekapazitäten und Umlagen werden weitgehend auf Stromverbraucher und Unternehmen umgelegt, ohne dass bei Energiesteuern oder Mehrwertsteuer eine echte Entlastung erfolgt.foes+1

Atomgipfel im Kanzleramt: Merkel legt Terminplan für Energiewende vor - DER SPIEGEL

2013–2021 – Angela Merkel (CDU), Große Koalition CDU/CSU‑SPD
Festschreibung eines hohen Abgaben‑ und Umlagenniveaus im Strom‑ und Energiesektor, inkl. weiterer EEG‑Reformen.cleanenergywire+1
2019/2021 beschließt die GroKo den nationalen CO₂‑Preis für Verkehr und Heizen (nationales Emissionshandelssystem, Start 2021 mit 25 Euro pro Tonne, stufenweise Anhebung), der pro Liter Benzin und Diesel einen zusätzlichen Aufschlag bringt.icapcarbonaction+3

Germany introduces carbon price for building and transport sector emissions from 2021 | International Carbon Action Partnership

ab 2021 – Kanzler Olaf Scholz (SPD), Ampel‑Koalition SPD/Grüne/FDP
Übernahme und Fortschreibung des CO₂‑Preissystems mit weiteren Anhebungen, flankiert von Entlastungspaketen und zeitlich befristeten Hilfen.cleanenergywire+2
Gleichzeitig bleiben Energiesteuern und Mehrwertsteuer in Kraft, sodass der staatliche Anteil an Sprit‑ und Energiekosten trotz einzelner Gegenmaßnahmen langfristig hoch bleibt.destatis+2

Benzin im Jahr 2024 in Höhe von 15,3 Milliarden Euro versteuert - Statistisches Bundesamt

Diese Liste ersetzt keine juristische oder wissenschaftliche Detailanalyse. Sie zeigt in einfacher Form, was viele Bürger seit Jahren im Geldbeutel spüren: Egal, welche Farbkombination regiert – der politische Anteil am Energie‑ und Literpreis kennt langfristig nur eine Richtung. Wer das ändern will, darf bei Wahlen nicht nur die Versprechen auf den Plakaten betrachten, sondern sollte die Bilanz der letzten Jahrzehnte im Hinterkopf haben.

Heute führt Friedrich Merz die CDU als größte Oppositionspartei an – nach all den Jahren, in denen seine Partei selbst an vielen dieser Beschlüsse mitgewirkt hat. Wer die Chronik liest, erkennt, dass neue Namen allein noch keinen Kurswechsel bedeuten.tatsachen-ueber-deutschland+1

Energy transition in Germany

Wer sich diese Liste der letzten Jahrzehnte ansieht, versteht, warum der Literpreis heute ist, wie er ist – und warum ausgerechnet die Bürger die Rolle des Dauerzahlmeisters übernehmen sollen. Damit ist der Boden bereitet für den Satz, mit dem die Regierung all das offiziell begründet: „Zum Wohle des deutschen Volkes.“ Bezahlt wird es an der Zapfsäule.

A (very) brief timeline of Germany's Energiewende | Clean Energy Wire

Epilog: „Zum Wohle des deutschen Volkes“

Nach all diesen Zahlen bleibt ein einfacher Befund: All das geschieht offiziell zum Wohle des deutschen Volkes. Bezahlt wird es an der Zapfsäule.

Quellen & weiterführende Dokumente

[1] AfD – Kampagnenseite zu Spritpreisen  
https://www.afd.de/spritpreis/

Primärquelle der politischen Kampagne zum Thema Kraftstoffpreise.

[2] ADAC – Aktuelle Entwicklung der Kraftstoffpreise in Deutschland  
https://www.adac.de/news/aktueller-spritpreis/

Regelmäßige Auswertungen der Benzin- und Dieselpreise in Deutschland.

[3] ADAC – Spritpreise im europäischen Vergleich  
https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/ausland/spritpreise-ausland/

Preisübersichten für Kraftstoffe in europäischen Ländern (z. B. Deutschland und Luxemburg).

[4] EU-Kommission – Weekly Oil Bulletin  
https://energy.ec.europa.eu/data-and-analysis/weekly-oil-bulletin_en

Offizielle Daten der Europäischen Kommission zu Kraftstoffpreisen in den EU-Mitgliedstaaten.

[5] ADAC – Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt  
https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/tipps-zum-tanken/7-fragen-zum-benzinpreis/

Erklärung der Preisstruktur an der Zapfsäule (Rohöl, Raffinerie, Steuern, Vertrieb).

[6] Bundeszollverwaltung – Energiesteuer auf Kraftstoffe  
https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steuern/Verbrauchsteuern/Energie/Grundsaetze-Besteuerung/Steuerhoehe/steuerhoehe_node.html

Amtliche Angaben zu den gesetzlichen Energiesteuersätzen für Benzin und Diesel.

[7] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Struktur der Kraftstoffpreise  
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/mineraloel-kraftstoffpreise.html

Übersicht über Faktoren, die den Kraftstoffpreis beeinflussen (Steuern, Rohöl, Vertrieb).

[8] Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) – Nationaler Emissionshandel verständlich erklärt
https://www.dehst.de/DE/Themen/nEHS/nEHS-verstehen/nehs-verstehen_node.html

[9] Brennstoffemissionshandelsgesetz – gesetzliche CO₂-Preise 2021–2025
https://www.gesetze-im-internet.de/behg/__10.html

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